11. Dezember 2017

Mary Higgins Clark - Mein ist die Stunde der Nacht

Bildergebnis für mary higgins clark mein ist die stunde der nachtAutorin: Mary Higgins Clark
Titel: Mein ist die Stunde der Nacht


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453431522
Erschienen: 2005
Seiten: 432



Die Historikerin Jean Sheridan reist zu einem Ehemaligen-Treffen in ihre Heimatstadt, bei dem sie und sechs andere aus ihrem Jahrgang ausgezeichnet werden sollen. Überschattet wird das Treffen von der Nachricht, dass eine der sechs ein paar Tage zuvor tot in ihrem Pool aufgefunden wurde - die fünfte ihres Jahrgangs, die auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen ist. Bei der Preisverleihung schliesslich wird Jean Detective Sam Regan vorgestellt, der hartnäckig in einem Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Frau ermittelt. Gibt es eine Verbingung zwischen diesem Fall und dem Schicksal der toten Schulfreundin? Noch ahnt niemand, dass der Killer, der sich die "Eule" nennt, bei der Preisverleihung unter den Anwesenden ist und schon sein letztes Opfer auserkoren hat.



Ein Klassentreffen, das wohl niemand so leicht vergisst. Ein Klassentreffen, das wohl niemand so erleben möchte. Denn es gibt weitaus Schlimmeres als alte unbeliebte Fotos, Erinnerungen an Hänseleien, Treffen mit unbeliebten Lehrern und Mitschülern. Eine Geschichte, teilweise vorhersehbar, andererseits doch sehr spannend, atmosphärisch düster, aber dennoch mit einem Lichtstreifen am Horizont.

Der Schreibstil von Mary Higgins Clark gefiel mir schon bei anderen Büchern von ihr. Sie weiss, wie man den Leser mitreisst, Stimmung aufbauscht, Charaktere formt. Obwohl sie einige Klischees bedient und deutlich ihr Schema hat (beispielsweise sind ihre Hauptcharaktere meist nicht die Ärmsten, beruflich und/oder finanziell und bei den Opfern geht es immer irgendwie um Familienmitglieder, wenn auch nicht ausschliesslich), so konnte mich auch diese Geschichte wieder sehr gut unterhalten. In der Mitte gab es zwar einige Längen, was jedoch nicht an Langeweile lag, sondern am Aufbau der Geschichte, der doch etwas vorhersehbar war.

Dennoch, wenn man bedenkt, dass in diesem Roman der Leser den Killer schon kennt, konnte die Spannung erstaunlich lange gehalten werden. Ich meine, meist fiebert der Leser doch mit, um den Mörder in der Runde zu entdecken, ebenfalls zu rätseln, wer der Verräter ist und mit den Opfern mitfühlt, die sich in Gefahr wissen, jedoch nicht woher. Diesmal weiss der Leser von Anfang an, wer "die Eule" ist und kennt auch immer wieder Schritte von dieser Person. Die Spannung liegt darin, dass der Leser verfolgen kann, wie nah die Polizei, Jean und ihre Mitschüler sowie ein vorlauter Reporter der Schülerzeitung der Wahrheit und dem Täter kommen und doch nicht entdecken. Denn die Geschichte wird aus mehreren Sichten erzählt: Zum einen natürlich aus der Sicht von Jean, eine der letzten Schülerinnen ihrer Tischrunde (5 ihrer Schulfreundinnen starben über die letzten 20 Jahre, die sechste verschwindet beim Klassentreffen), Detective Sam, der Schülerreporter und "die Eule". Weitere Mitschüler spielen keine unbedeutende Rolle und können den Leser in Verwirrung bringen, mit all ihren Nebengeschichten, obwohl der Leser den Täter ja eigentlich kennt. 

Einige der Figuren waren mir sympathisch, andere überhaupt nicht. Ich mag, wenn das passiert, denn es ist irgendwie real. Im echten Leben mag man auch nicht jeden und allzu oft wird in Romanen der Bösewicht allzu unsympathisch und die Opfer allzu lieb dargestellt. Oder hat irgendwer mal mit dem Killer sympathisiert? Wohl eher selten der Fall. Was mich persönlich störte war die Wahl des Killers. Auch wenn mir andere Mitschüler ebenfalls verdächtig vorkamen und unsympathisch waren, so war der Mörder doch eine logische Wahl und dementsprechend verdächtig. Die Handlungen der Hauptperson Jean konnte ich teilweise nicht nachvollziehen, allerdings nur wenige Male.

Im Ganzen war der Roman spannend und unterhaltsam, was auch der Klappentext verspricht. Abgesehen von kleinen Längen in der Mitte und einigen kleinen Schwachpunkten und persönlichen Vorlieben, kann ich das Buch absolut nicht schlecht bewerten und empfehle es nicht nur Mary-Higgins-Clark-Fans. Die Autorin weiss einfach über Verbrechen zu schreiben. Und diesmal sterben nicht weniger als 9 Personen und weitere 3 werden entführt. Aber pssst... ich will ja nicht spoilern.



4 von 5 Lese-Echsen





Ähnliches FotoMary Higgins Clark, geboren 1928 in New York, wuchs in der Bronx auf. Ihr Vater starb, als sie kaum elf Jahre alt war. Die Mutter zog sie und ihre beiden Brüder allein gross. Nach der Highschool machte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und war drei Jahre in einer Werbeagentur tätig, bevor sie das Reisefieber packte und sie ab 1949 als Stewardess für PanAm arbeitete.
Ein Jahr später heiratete sie ihren Nachbarn Warren Clark. Kurz nach ihrer Hochzeit begann sie, Erzählungen zu schreiben. Sie verkaufte die erste im Jahr 1956 für 100 Dollar an eine Zeitschrift. Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes im Jahr 1964 verfasste sie bald ihr erstes Buch, einen biographischen Roman über George Washington. Sie schrieb immer morgens zwischen 5 und 7 Uhr, bevor die 5 Kinder zur Schule mussten. Der erste Kriminalroman "Wintersturm" (1975) bedeutete einen Wendepunkt in ihrem Leben und in ihrer Karriere: Er wurde Bestseller. Neben dem Schreiben studierte sie Philosophie und schloss 1979 ihr Studium mit Summa cum laude ab.

1966 heiratete sie nochmals und lebt heute in Saddle River, New Jersey.

29. November 2017

Paige Toon - Lucy in the sky

Autorin: Paige Toon
Titel: Lucy in the sky


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596179350
Erschienen: 2009
Seiten: 448




Noch bis eben war sich Lucy sicher, glücklich zu sein. Zusammen mit James, einem smarten Anwalt, wohnt sie in einer schicken, kleinen Wohnung in London und hat einen glamourösen Job in einer PR-Agentur. Also keinen Grund, warum die Hochzeit ihrer besten Freundin Molly in Australien und ein zweiwöchiger Urlaub ihr Leben in Frage stellen sollte.

Doch kurz bevor das Flugzeug startet, bekommt Lucy eine SMS von James' Handy. Bevor sie ihr Telefon ausschalten muss, wirft sie schnell noch einen Blick auf die Nachricht...



Lange hatte ich dieses Buch auf meiner Wunschliste, weil Janine so davon geschwärmt hat. Als ich dann letztens wieder Lust hatte, zur Abwechslung ChickLit zu lesen, da habe ich es in 3 Tagen verschlungen. Leider jedoch nicht aus Lust, sondern um es möglichst schnell wieder fertig zu haben.

Der Schreibstil hat mir eigentlich sehr zugesagt. Locker und leicht erzählt die Autorin in der Ich-Person von Lucy und ihren Gedanken nach der SMS über ihren Freund. Denn die hatte keine tolle Botschaft in sich: 

Hi Lucy! Habe gerade mit James in deinem Bett geschlafen. Dachte, du solltest das wissen. 4x diesen Monat. Hübsche Bettwäsche. xxx

Und das Ganze vom Telefon von James, obwohl nicht von ihm selbst. Natürlich ist sie wütend, verständlicherweise ist sie aufgewühlt als sie an die Hochzeit von Molly und Sam geht. Und so trifft sie auf Nathan, der kleine Bruder des Bräutigams und Freund aus ihrer Kindheit. Der Start für das Buch ist also gelegt und anfangs auch sehr unterhaltsam. Aber schon vor der Hälfte des Vergnügen, wird es langweilig und wiederholt sich.

Den ganzen Roman lang, wurde ich aus Lucy nicht schlau. Während der ganzen Geschichte, seit Lucy aus Sydney zurück nach London fliegt, denkt sie abwechselnd an Nathan und James. Über 200 Seiten rätselt sie über ihre Gefühle für beide, obwohl es mehr als offensichtlich ist. Ich fühlte mich als Leser aufs Äusserste und künstlich hingehalten. Der Spannungsbogen war kaputt, das Ende absehbar, der Weg dahin nur noch mühsam. James wird von Anfang an in eine Schublade charakterisiert, Nathan in eine gegensätzliche Schublade. Lucy ist ein Wirbelwind und Gefühlswrack, das mir immer unsympathischer wurde. Und nach der ausschlaggebenden Reise nach Australien und wieder zurück, besteht die Geschichte nur noch aus Episoden in ihrer Wohnung, im Büro und Bars, wo Lucy sich mit ihren Freundinnen trifft, um das Problem zu besprechen, betrinken oder Weinkrämpfe zu kriegen. Die Autorin hat zwar noch weitere Nebenfiguren und deren Hintergrundgeschichten dazugebracht, aber nichts konnte mich mehr überzeugen, nichts interessierte mich, weil es zu künstlich in Lucys Werdegang passte oder zu offensichtlich in die Romanplanung gehörte. Der Pfiff war zu schnell raus und kam nicht mehr hinzu. Auch wenn sich die Autorin sicherlich Mühe gab mit den Nebenfiguren und mir einige sogar einiges sympathischer (andere aber auch wieder absolut nicht) waren als die Hauptprotagonistin Lucy, so konnte mich der Roman einfach nicht mehr begeistern. 

Vielleicht wären mehr Hin- und Her-Reisen zwischen England und Australien interessanter geworden und würden auch den Titel "Lucy in the sky" rechtfertigen. Denn eigentlich ist Lucy nicht in der Luft schwebend, sondern eher am Boden zerdrückt. Oder eine weitere Stimme aus der Ich-Perspektive für einen Sichtwechsel, zum Beispiel von James oder Nathan, wäre interessanter geworden. Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass ChickLit nicht die höchste Literatur bedeutet und hauptsächlich unterhalten soll. Wenn es jedoch nicht einmal Trash-Unterhaltung hin bekommt, dann bin ich enttäuscht. Und das ist hier leider der Fall, obwohl ich mich eigentlich sehr auf lockere Lektüre gefreut habe.

Der Anfang hatte Potential, der Klappentext war interessant, sogar die klischebeladenen Figuren hätte noch was werden können... aber schlussendlich passiert einfach kaum etwas über all die Seiten. Deswegen werde ich wohl nicht so schnell wieder zu Paige Toon greifen.



2,5 von 5 Lese-Echsen



Paige Toon wurde 1975 geboren. Als Tochter eines Rennfahrers wuchs sie in Australien, England und Amerika auf. Sieben Jahre lang arbeitete sie als Redakteurin beim Magazin "Heat".
Paige Toon ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in London.

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24. November 2017

Dan Brown - Origin

Bildergebnis für dan brown originAutor: Dan Brown
Titel: Origin


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-431039993
Erschienen: 2017
Seiten: 672





Die Wege zur Erlösung sind zahlreich.
Verzeihen ist nicht der einzige.

Als der Milliardär und Zukunftsforscher Edmond Kirsch drei der bedeutendsten Religionsvertreter der Welt um ein Treffen bittet, sind die Kirchenmänner zunächst skeptisch. Was will ihnen der bekennende Atheist mitteilen? Was verbirgt sich hinter seiner "bahnbrechenden Entdeckung", das Relevanz für Millionen Gläubige auf diesem Planeten haben könnte? Nachdem die Geistlichen Kirschs Präsentation gesehen haben, verwandelt sich ihre Skepsis in blankes Entsetzen. Die Furcht vor Kirschs Entdeckung ist begründet. Und sie ruft Gegner auf den Plan, denen jedes Mittel recht ist, ihre Bekanntmachung zu verhindern. Doch es gibt jemanden, der unter Einsatz des eigenen Lebens bereit ist, das Geheimnis zu lüften und der Welt die Augen zu öffnen: Robert Langdon, Symbolforscher aus Harvard, Lehrer Edmond Kirschs und stets im Zentrum der grössten Verschwörungen.



Auf diese Buch habe ich mich das ganze Jahr schon gefreut. Ein weiter Dan Brown. Ein weiteres Mal eine Jagd gegen die Zeit mit Robert Langdom. Eine Welt voller Symbole, Codes und Verbrechen. Spannung ist garantiert, packende Unterhaltung  und food for thought sowieso. Und wieder einmal wurde ich nicht enttäuscht.

Diesmal geht es allerdings um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit. Obwohl viel Kunst (unter anderem Malerei, Musik und Skulpturen) vorkommen, steht im Mittelpunkt neben der Religion diesmal die Technik. Der fünfte Band mit Robert Langdom ist regelrecht ein Sci-Fi-Roman. Das Thema kreist um die beiden unterschiedlichen Gruppen - Wissenschaft und Religionen - die versuchen, die immer noch ungeklärten grossen Fragen des Lebens zu erklären: Woher kommen wir? Und wohin gehen wir? So verstrickt Dan Brown diesmal technischer Fortschritt, menschliche Weiterentwicklung, traditionsorientierter Glaube und eine unbekannte Variable in eine Geschichte voller Spannung, eine Jagd auf die grosse Antwort und ein Wettlauf um Leben und Tod.

Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass Fanatiker - egal ob gut oder böse - in ihrem unaufhaltsamen, blinden Streben gefährlich werden. Auch ein Krieger in einer guten Sache, kann auf dem Weg zum Ziel Mittel gebrauchen, die ich nicht mehr angemessen finde. Man sollte deshalb im Hinterkopf behalten, dass man nicht einfach schwarz weiss malen kann. Klar, Dan Brown hat Muster und das ist mittlerweile recht auffällig. Vielleicht schon sein Markenzeichen?. Immer geht es um Codes, versteckte Botschaften, einen Mord, Wissenschaft gegen Religion, Robert Langdom im Stress, meist begleitet von einer Frau, die Medien jagen sie, der Killer ist auf der Flucht, ein Regent befiehlt dem Handlanger-Killer, dass er in einer grösseren Sache dient.... blablabla. Alles nichts Neues mehr, könnte man meinen. Dennoch schafft es der Autor immer wieder, sehr zahlreiche und authenthische Figuren zu erschaffen, mit denen man mitfiebert, die man lieben oder hassen kann, für sie hoffen oder gegen sie wettern kann. Ein Dan Brown-Buch lässt kaum einen Leser kalt und regt auch noch nach der Lektüre Gedanken an.

Obwohl ich der Meinung bin, dass dieser nicht der stärkste Dan Brown war und besonders im Mittelteil einige Längen zu überwinden hatte, so war ich doch vom Ende überrascht. Im Besonderen die Details am Schluss waren überraschend wie auch erschreckend, wenn man es in die Wirklichkeit überträgt - und so weit ist die Realität nicht entfernt. Und auch wenn es ein leicht schwächerer Dan Brown war, ist es immer noch ein sehr zu empfehlendes Buch. Denn man merkt, wie viel Arbeit der Autor jedes Mal hinein steckt. Jahrelange Recherche, Reisen an die Orte, genaues Planen aller Einzelheiten, ein Netzwerk an Ereignissen, Persönlichkeiten und Codes... einfach seine ganz eigene Klasse.

Ein futuristischer Krimi, auf dessen Verfilmung ich sehr gespannt bin. Eine Jagd gegen die Zeit in Barcelona und Madrid, eine grosse Enthüllung über unseren Ursprung und ein Blick in die Zukunft.



5 von 5 Lese-Echsen



Ähnliches FotoDan Brown unterrichtete Englisch, bevor er sich ganz seiner Tätigkeit als Schriftsteller widmete. 
Als Sohn eines mehrfach ausgezeichneten Mathematikprofessors und einer bekannten Kirchenmusikerin wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Wissenschaft und Religion keine Gegensätze darstellen. Die Kombination ist es auch, die den weltweiten Erfolg des Autors begründet.



21. November 2017

Lucinda Riley - die 7 Schwestern

Autorin: Lucinda Riley
Titel: Die sieben Schwestern


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442313945
Erschienen: 2015
Seiten: 577



Maia ist die älteste von sechs Schwestern, die alle von ihrem Vater adoptiert wurden, als sie sehr klein waren. Sie lebt als Einzige noch auf dem herrschaftlichen Anwesen ihres Vaters am Genfer See, denn anders als ihre Schwestern, die es drängte, draussen in der Welt ein ganz neues Leben als Erwachsene zu beginnen, fand die eher schüchterne Maia nicht den Mut, ihre vertraute Umgebung zu verlassen. Doch das ändert sich, als ihr Vater überraschend stirbt und ihr einen Umschlag hinterlässt - und sie plötzlich den Schlüssel zu ihrer bisher unbekannten Vorgeschichte in Händen hält: Sie wurde in Rio de Janeiro in einer alten Villa geboren, deren Adresse noch heute existiert. 

Maia fasst den Entschluss, nach Rio zu fliegen, und an der Seite von Floriano Quintelas, eines befreundeten Schriftstellers, beginnt sie, das Rätsel ihrer Herkunft zu ergründen. Dabei stösst sie auf eine tragische Liebesgeschichte in der Vergangenheit ihrer Familie, und sie taucht ein in das mondäne Paris der Jahrhundertwende, wo einst eine schöne junge Frau aus Rio einem französischen Bildhauer begegnete. Und erst jetzt fängt Maia an zu begreifen wer sie wirklich ist und was dies für ihr weiteres Leben bedeutet...




Emotionsgeladen, abwechslungsreich, eine wunderbare Mischung aus Vergangenheit und Heute, geschickt miteinander verwoben und trotz weniger Klischees sehr authentisch. Eine Reise nach Brasilien und Paris, die mich absolut begeistern konnte. 

Dieses Buch ist der Auftakt einer Serie von 7 Büchern (obwohl es nur 6 Schwestern sind, was wir bisher wissen). In Band 1 entführt uns die Autorin nach Rio de Janeiro und auf den Corcovado, den Hügel auf dem die Christusstatue steht. Dessen Erbauung ist ebenfalls Teil der Geschichte und nicht nur Fiktion, sondern auch mit einigen realen Fakten. Reine Fantasie ist hingegen das Anwesen am Genfersee, doch für mich als Schweizerin (wenn auch aus der Bodenseeregion und somit vom anderen Ende der Schweiz) ist es interessant als Schauplatz, da mein Land doch relativ selten als Schauplatz ausgewählt wird. 

Nachdem Padi von PadiLovesBooks und Anne von Goldschrift so von dieser Reihe und Autorin schwärmten, habe ich mich endlich an diese Bücher gewagt. Und ich kann gar nicht begreifen, warum ich damit so lange gewartet habe. Denn der Auftakt ist nicht nur grandios und vielversprechend, sondern das ganze Projekt nicht nur ambitioniert wie auch eine spektakuläre Idee. Ich kann kaum glauben, dass Lucinda Riley schon alle 7 Geschichten und die grosse alle Bücher überspannende Geschichte im Kopf hat! Mit vor Erstaunen weit geöffneten Augen und aufgeregt schlagendem Herzen freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Band, die nächste Schwester und vor allem... auf das grosse Finale.

Ihr Schreibstil ist wie immer zauberhaft. Es ist einfach toll wie sie es immer wieder schafft, mehrere so detailvolle, lieb geschriebene Einzelgeschichten so geschickt miteinander zu verbinden, dass es logisch und ungekünstelt wirkt. Natürlich gibt es die ein oder anderen Zufälle, die konstruiert sind, scheinbar zu perfekt für das reale Leben. Und trotzdem scheint der Verlauf der Geschichte nicht absehbar und langweilig. Eine weiteres Talent dieser Autorin ist die weiche Vermischung von Fiktion und Fakten. So sind Angaben zur Christusstatue, Paul Landowski (dem Bildhauer aus Paris) und Heitor da Silva (Architekt des Christo) sowie Margarida Lopes (damals bekannte Brasilianerin in der Pariser Kunstszene) nicht erfunden. Lucinda Riley war selbst in Rio, um das Ambiente einzufangen, um es später so erfolgreich zu beschreiben. Und dabei traf sie sogar auf eine Verwandte von Heitor da Silva, die sie in seine Tagebücher schauen lies. Echtes historisches Matieral also!

Aber auch die fiktiven Figuren sprühen vor Leben und so war mir Maia sofort sympathisch, wenn auch Isabela (die frühere Verwandte von ihr) noch ein Stück mehr. Wahrscheinlich habe ich sie mir äusserlich komplett vorgestellt, denn bei mir zeichnete sich ein mentales Bild einer schüchternen Frau mit hellbraunen glatten Haaren und unscheinbarem Kleiderstil, wenn sie doch Brasilianerin und gemäss Beschreibung leicht krauses Haar und definitv einen dunkleren Hauttyp besitzt. Aber das ist ja mein Fehler. Aus Neugier habe ich nach der Lektüre Margarida Lopes und Heitor da Silva gegoogelt, bei denen ich zumindest äusserlich schon nicht mehr so falsch lag. Die Beschreibungen von Lucinda treffen so genau zu, die Farben Brasiliens, aber auch das Paris der 20er Jahre entstehen im Kopfkino so ohne Mühe, dass ich komplett in eine andere Welt eintauchen konnte. 

Atmosphärisch geladen, ein mehrjähriges Projekt von Büchern, auf das ich jetzt schon gespannt bin (zurzeit ist Band 4 publiziert auf Deutsch) und eine Büchse der Pandora, wenn es um eine grosse Geschichte voller Geheimnisse und Schicksale geht.



5 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für lucinda rileyLucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Bangkok. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben - und das mit sensationellem Erfolg. Seit ihrem gefeierten Debüt "das Orchideenhaus" stürmte jeder ihrer Romane die internationalen Bestsellerlisten. Sie lebt mit ihrer Familie in Norfolk im Osten Englands und in ihrem Haus in der Provence.



23. Oktober 2017

Gretchen Rubin - The Happiness Project

Autorin: Gretchen Rubin
Titel: The Happiness Project

Verlag: Harper
ISBN: 978-0-06-241485-4
Erschienen: 2009
Seiten: 337
Sprache: Englisch



An einem regnerischen Nachmittag im Stadtbus, kam Gretchen Rubin der Gedanke: "Die Tage sind lang, doch die Jahre sind kurz. Die Zeit vergeht schnell und ich konzentriere mich nicht genug auf die Dinge, die wirklich wichtig sind." In diesem Moment entschliesst sie sich, ein Jahr lang sich dem Projekt Glücklichsein (Happiness Project) zu widmen.



Ein Jahr voller guter Vorsätze, pro Monat ein neuer Fokus, 12 Monate voller Abenteuer und Experimente, mit Rückschlägen und Erfolgen... und das alles dokumentiert auf ihrem Blog, der Grundlage für dieses Buch geworden ist. Ein Ratgeber zum Glücklichsein, um auf die wichtigen Dinge im Leben zu fokussieren, Gedanken anzuregen und vielleicht dein eigenes Leben im Kleinen umzuwandeln, denn Kleines kann Grosses bewirken.

Ich habe dieses Buch von einer sehr guten Freundin mit sehr grosser herzlicher Empfehlung geschenkt bekommen. Es sei ein Buch, das sie inspiriert und zum Nachdenken gebracht habe. Und das Gleiche gelang dem Buch auch mit mir. Da ich es auf Englisch gelesen habe und der Inhalt tiefgründig ist, habe ich es über mehrere Monate gelesen. Zuerst plante ich, jedes Monatskapitel in demjenigen Monat zu lesen, d.h. das ganze Buch über ein Jahr zu begleiten. Von diesem Plan bin ich zwar leicht abgekommen, doch ich habe fast ein Jahr immer mal wieder darin gelesen und versucht, die Ideen in meinen Alltag einzubauen. Dies gelang mir mal mehr, mal weniger.

Das Buch ist aufgebaut in 12 Kapitel - eins pro Monat. Und für jeden Monat hat sich Gretchen ein Hauptthema ausgesucht: Januar - Boost Energy. Februar - Remember Love. März - Aim higher. April - Lighten up. Mai - Be serious about play. Juni - Make time for friends. Juli - Buy some happiness. August - Contemplate the heavens. September - Pursue a passion. Oktober - Pay attention. November - Keep a contented heart. Dezember - Boot camp perfect.

Obwohl ich meinen Kleiderschrank nicht halb leer geräumt habe, versuchte ich, mir mehr über die materiellen Dinge in meinem Leben und meiner Wohnung bewusst zu werden. Mit diesem Bewusstsein kauft man auch nur noch (oder zumindest viel eher und bewusster), was man tatsächlich benötigt. Man lernt Dankbarkeit für Grosses und Kleines, für den Morgenkaffee, Sonnenstrahlen, für die eigene Gesundheit, für Zeit mit Freunden. Man beginnt positiver zu denken. Brainwashing - diesmal zum Guten. Jeder, der dieses Buch liest, wird Veränderungen durchleben, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt. Doch keiner kann mir sagen, dass er nach dieser Lektüre absolut gleich bleibt. Nur schon durch das Bewusstsein, läuft man mit offeren Augen, mit einem frischen Blick durch den grauen Alltagstrott. Einige Kapitel, wie Buy some happiness, muss man an seine eigenen Präferenzen anpassen, auf seine eigene Situation beziehen. Andere Kapitel, wie Remember Love, sind im Generellen zu verstehen und anzuwenden, egal in welcher Situation man sich gerade befindet. 

Während meiner langsamen Lektüre, hatte ich auch Zeit fürs Zitatesammeln. Normalerweise neige ich nicht dazu, doch diesmal sieht das Buch gelesen aus, es wurde mehrmals aufgeschlagen, hat zwar keine Leserillen, aber ist leicht durchgebogen und vor allem: voller Post-its! Ein gelbes Sammelsurium reiht sich rundherum und markiert interessante Stellen, die ich gerne wieder nachschlagen möchte. 

"Just because something is fun for someone else doesn't make it fun for me."

"What I say about other people stick to me - even when I talk to someone who already knows me. So I do well to say only good things."

"It is easy to be heavy: hard to be light."

"You're happy if you think you're happy."

So viele Zitate oder Kapitelinhalte, die ich in Gedanken behalten möchte und deshalb markiert habe. Deswegen sind solche Ratgeber wichtig: Weil sie uns an das Wesentliche erinnern. Ich bin sonst kein Fan von Ratgebern, lese wirklich nur über ein Thema, dass mich brennend interessiert oder weil es in der Schule / Uni vorgeschrieben war. Doch dieses Buch werde ich behalten, als Erinnerung zum Glücklichsein. Sollte ich es einmal vergessen, schlage ich ein Post-it auf und denke wieder daran, dass nicht alles schlecht ist, dass ich meine Sichtweise positiver drehen sollte, nicht aufgeben soll und dankbar sein, für das, was ich schon erreicht habe.

Genau aus diesem Grund ist dieses Buch auch solch eine grosse Empfehlung: Glücklichsein hat so viele Quellen. Seid dankbarer für euer Leben, seid ambitionierter ohne Konkurrenzdenken, seid freundlicher - auch zu Idioten, pflegt Freundschaften und Leidenschaften (auch wenn ihr abgefallene Knöpfe von Jacken sammelt - egal, hauptsache es macht euch glücklich!). Denn ich glaube daran, dass wie man in den Wald ruft, kommt es zurück. Also verteilt euer breitestes Lächeln - das Leben lächelt zurück !



5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für gretchen rubinGretchen Rubin ist Autor von mehreren Bestsellern, darunter Better Than Before und Happier at Home. Sie arbeitete in einem Anwaltsbüro, als sie sich fürs Schreiben entschied, was sie erst auf einem Blog, später in Büchern verwirklichte. 

Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in New York City. Ausserdem moderiert sie zusammen mit ihrer Schwester Elizabeth Craft, der bekannte wöchentliche Podcast Happier with Gretchen Rubin.